Claire Grauer

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Digital Storytelling für NGOs

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roter Faden

Jede gute Geschichte hat einen roten Faden. (Quelle. flickr, user Domiriel)

Wir alle mögen gerne Geschichten. Wir schauen Filme und Serien, lesen Bücher, spielen Spiele und dokumentieren unsere Urlaubserlebnisse mit Fotos und Videos. Geschichten verbergen sich auch dort, wo viele sie auf den ersten Blick nicht vermuten würden. Marketing zum Beispiel funktioniert am besten über Geschichten, nicht mittels purer Fakten (auch wenn das Menschen die wie ich aus dem Programmbereich kommen, nicht so gerne hören). Auch zum Lernen (bzw. sich-an-das-Wesentliche-erinnern) sind Geschichten besonders gut geeignet.

Die „neuen Medien“ bieten eine Vielzahl einfacher Möglichkeiten, gute Geschichten über eine Organisation, ein Projekt oder zu einem bestimmten Zweck (z.B. für eine Bildungseinheit über Fairen Handel) zu entwickeln. Im Folgenden stelle ich ein paar Ressourcen und Ideen vor, die ich in letzter Zeit in der Arbeit mit NGOs und der Bildungarbeit hilfreich fand.

Vom Storytelling zum Digital Storytelling – worum geht’s und wie fangen wir an?

Storytelling, das Erzählen einer Geschichte, kennt (und kann!) jede/r. Wir erzählen täglich Geschichten, etwa darüber, wie unser (Arbeits-, Schul, Urlaubs-)Tag verlaufen ist, warum wir uns so sehr über den lange ersehnten Besuch der alten Freundin gefreut haben oder wie nervig es war, in der langen Schlange am Postschalter zu warten.

Eine gute Geschichte fesselt die ZuhörerInnen, spricht alle Sinne an und erlaubt ihnen, darin einzutauchen. Viele NGOs nutzen sie daher im Marketing und für ihre Öffentlichkeitsarbeit. Im Bildungsbereich gibt es ebenfalls viele Ansätze, Storytelling zur Wissensvermittlung einzusetzen (mehr dazu in einem zweiten Beitrag).

Im Unterschied zu einer rein mit Worten begeschriebenen Geschichte erlauben die neuen Medien vielfältige Formen des Digital Storytelling, also den Einsatz vieler unterschiedlicher Elemente, etwa Fotos, Videos, Cartoons, Musik, etc.  und dies in ganz unterschiedlichen Formaten wie z.B.

Storytelling für NGOs und sonstige gemeinnützige Organisationen

Jede Organisation hat ihre Geschichte und entwickelt täglich neue davon. In der Organisationsentwicklung ist Storytelling schon lange ein Mittel, um Veränderungsprozesse anzustoßen und zu gestalten. NGOs können zudem mittels gut erzählter und visualisierter Geschichten im Netz das Interessierte, potentielle UnterstützerInnen und SpenderInnen in die eigene Arbeit einbeziehen und ihnen ein Stück weit das Gefühl geben, „dabei zu sein“. Geschichten, auch über die eigene Entwicklung von den Anfängen bis heute oder persönliche Erzählungen von MitarbeiterInnen oder ProjektpartnerInnen geben Einblicke in das Innere einer NGO, die mit Rechenschaftsberichten oder Spendenflyern so i.d.R. nicht möglich sind.

Digitales Storytelling muss nicht aufwändig sein und kann auch gelingen, ohne, dass es eine professionelle Kommunikationsabteilung gibt (auch wenn dies natürlich vieles einfacher macht). Eine gute Anleitung zum Storytelling über die eigene Organisation bietet z.B. ein Beitrag von Maike Gosch für den NGO Leitfaden: „Besonders soziale Organisationen haben viel zu erzählen“. Darin auch einige Beispiele für gelungenes Storytelling anderer Organisationen.

Medienauswahl: Haben oder schaffen?

Während große NGOs sich leisten können, professionelle Fotografen oder Filmemacher zu engagieren, ist dies für kleinere Organisationen meist nicht bezahlbar. Sie sind oft darauf angewiesen, das zu nehmen „was da ist“. Oft sind dies Fotos, Videos, gelegentlich auch Zeichnungen, die von MitarbeiterInnen angefertigt wurden, deren Hauptaufgabe eigentlich in anderen Bereichen liegt. Größere können sich dagegen oftmals leisten, professionelle Filmemacher und Fotografen zu verpflichten.

Die eingesetzte Medien müssen aber nicht unbedingt vom Profi erstellt worden sein – manchmal hat gerade das Unvollkommene besonderen Charme und ist seine eigne gute Geschichte. Die von tansanischen Jugendlichen aufgenommenen Fotos im Restless Development Research Blog, illustrieren wunderbar, dass die Jugendlichen in alle Bereiche eines Forschungsprojektes in Tansania einbezogen waren – eben auch in die Dokumentation.

Ganz einfach: Fotoessay, Präsentation, Video, Blog

AMREF Shihiba Pinterest

Storytelling mit Pinterest: Auf dieser Platfform erzählt die junge Tansanierin Shihiba aus ihrem Leben – und macht damit die Arbeit der NGO AMREF für deren UnterstützerInnen greifbar.

Digital Storytelling im Netz braucht Bilder – diese können auf ganz unterschiedliche Art präsentiert werden. Wie bei der Produktion der Bilder gilt: Auch hier gibt es eine Reihe einfacher Tools und Ideen, und es muss nicht immer der oder die Profi ran (bzw. viele Kniffe können sich auch Laien rasch aneignen).

Ein kurzer Fotoessay über Erfolge sagt mehr aus, als ein dreiseitiger Text. Hier ein Beispiel aus dem Blog von Charity:Water, einer NGO, die als Vorreiter in Sachen digitales Storytelling gilt. Im verlinkten Beitrag ist noch ein kurzes Video, das aber nicht zwingend notwendig ist. Der WWF zeigt, wie man Fakten mit Bildern illustrieren kann. Fotoessays können in Blogs eingebunden werden, oder für sich stehen, etwa als eine Form des SpenderInnen- oder Projektberichts oder als Dokumentation einer Veranstaltung.

Ein Fotoessay kann auch in Form eines kurzen Videos gestaltet werden, das im YouTube-Kanal oder auf der eigenen Website veröffentlicht wird, wie im Projekt „Through Our Own Eyes“ von Plan International Haiti. Dazu gibt es diverse Freeware, mit der man entsprechende Diashows erstellen und in Videoform konvertieren kann. Auch Picasa oder iMovie (Mac) können dazu verwendet werden.

Alternativ kann man eine Präsentation mit Bildern erstellen, die z.B. über Slideshare geteilt werden kann wie es die NGO „Trickle Up“ in diesem Beispiel getan hat. Trickle Up hat dazu jedes Bild mit „O-Tönen“ der abgebildeten Frauen ergänzt, was den Bildern mehr Bezug zu den vorgestellten Projektaktivitäten gibt.

Ein Blog ist eine gute Möglichkeit und expliziter Ort, um Geschichten zu erzählen, sei es mit Bildern oder mit Bildern und Texten. Nicht nur Projektaktivitäten oder Veranstaltungen können hier dokumentiert werden. Viele NGOs nutzen ihre Blogs auch, um Erfahrungsberichte ihrer MitarbeiterInnen während ihrer Einsätze dokumentieren (z.B. Ärzte ohne Grenzen Österreich). Alternativ kann ein allgemeiner NGO-Blog die Arbeit der Organisation darstellen und dies auf informellere Art, als dies in Rechenschaftsberichten oder Dankesbriefen möglich ist. Oder man beteiligt sich mit dem eigenen Blog an Aktionen wie Blogparaden (z.B. der NPO-Blogparade oder dem Blog Action Day).

… und hier noch zwei Beispiele für Digital Storytelling – welche findet Ihr gut?

In einem separaten Beitrag geht es dann in Kürze weiter mit Digital Storytelling in der Bildungsarbeit.

 

 

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