Claire Grauer

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Digital Storytelling in der Bildungsarbeit

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Nicht nur in der Arbeit mit SchülerInnen, auch in der Erwachsenenbildung oder in der Hochschullehre wird zunehmend mit neuen Medien und eben auch dem Digital Storytelling gearbeitet. Das macht Spaß, ist partizipativ und abwechslungsreich. Als Lehrende muss man nicht vor der Gruppe stehen und Animateurin spielen, sondern die Teilnehmenden können selbst auf Entdeckungsreise gehen – auch macht es viel mehr Spaß, Veranstaltungen entsprechend vorzubereiten.

In der Bildungsarbeit können die Teilnehmenden entweder selbst Geschichten erzählen oder aber Lehrende Lerninhalte in Form von Geschichten aufbereiten. Leider gibt es im deutschsprachigen Raum bislang sehr wenige Ressourcen zum Thema Digital Storytelling in der Bildungsarbeit (zumindest sind mir kaum welche bekannt), daher gibt es im Folgenden auch wenig Quellen und/oder Beispiele.Storytelling1

Aktivieren von Teilnehmenden

Im Globalen Lernen wird immer schon mit erzählerischen Mitteln gearbeitet, etwa, indem Fotos und Alltagsgegenstände präsentiert und zu Episoden und Geschichten angeordnet werden. Eine bewährte Methode ist auch, Geschichtenanfänge von den Teilnehmenden weitererzählen zu lassen oder zum jeweiligen Thema passende Anknüpfungspunkte aus dem Lebensalltag der Gruppe zu finden.

Mittels neuer Medien kann man diese Methoden ebenfalls nutzen und die Ergebnisse anschaulich präsentieren (lassen). Etwa, indem Geschichten in Form von Blogs gesammelt oder mittels Digitalfotos illustriert oder nacherzählt werden. Das können auch Teilnehmende mit geringen Vorkenntnissen oder unterer Klassen schnell lernen und umsetzen. Einige Beispiele für einfache Geschichten, erstellt von Teilnehmenden eines Workshop-Wochenendes (für Erwachsene). Da viele Kinder und Jugendliche inzwischen Handys oder Smartphones besitzen, bringen sie bereits die notwendigen Werkzeuge mit.

Es ist hierbei wichtig, vor dem Einsatz der (privaten) Geräte über die Themen Datenschutz, personenbezogene Daten und Privatsphäre zu sprechen und ggfs. entsprechende Abmachungen zu treffen (z.B. dass Bilder, auf denen Mitglieder der Gruppe zu sehen sind, nicht ohne Einverständnis auf sozialen Netzwerken veröffentlicht werden dürfen oder dass im Rahmen einer Veranstaltung erstellte Inhalte nicht anderweitig genutzt oder veröffentlicht werden sollen).

Eine weitere einfache Möglichkeit ist es, Themen vorzugeben, die dann z.B. als Bildergeschichte in Form eines Videos oder Blogs (z.B. bei Tumblr) umgesetzt werden sollen, evtl. ergänzt durch themenbezogene Recherchen in Online-Angeboten.

Auch mittels sozialer Netzwerke wie Facebook können Geschichten erzählt werden, bei Facebook etwa, indem eine eigene Seite zu einem bestimmten Thema angelegt wird, oder aber, indem die Beteiligten ihre Profile zum Erzählen und zum Austausch über ein bestimmtes Thema nutzen (vorausgesetzt, alle möchten dies auch über ihre privaten Profile tun).

Das Netz ist voller Infografiken – und es gibt eine ganze Reihe von Tools, um solche Grafiken relativ einfach zu erstellen. Warum die Lernenden nicht einmal eigene Infografiken erstellen lassen (inklusive der zugehörigen Recherche). Alternativ können die notwendigen Informationen vorgegeben und anschließend die Ergebnisse verglichen werden.

Aufbereiten von Lerninhalten

Für Lehrende sind neue Medien ebenfalls interessant, um Inhalte ansprechend und abwechslungsreich aufzubereiten. Zugegeben: Man kann rasch Gefahr laufen, sich von den vielen tollen Möglichkeiten der neuen Medien mitreißen zu lassen, denn oftmals ist die gute alte Gruppenarbeit mit Präsentation auf Flipchart absolut ausreichend. Grundsätzlich aber sollte man die Lernenden aber dort abholen, wo sie stehen und die meisten SchülerInnen und Studierenden pflegen inzwischen einen vollkommen selbstverständlichen Umgang mit neuen Medien und mobilen Anwendungen.

Gerade komplexere Inhalte, deren Vermittlung gerne auch über mehrere Stunden, bzw. Lerneinheiten hinzieht, eignen sich zur Umsetzung mittels Geschichten. Andererseits können auch weniger umfangreiche Inhalte gut als Geschichte präsentiert werden, etwa mittels der oben erwähnten Infografik-Tools. (Achtung: nicht zu komplex und zu vollgepackt gestalten, Infografiken werden schnell unübersichtlich).

Mit Präsentationstools wie Prezi lassen sich relativ einfach interessante Präsentationen erstellen, die auch Geschichten erzählen, kurze Videos und Infografiken erhalten und ebenfalls von kurzer Dauer sein können.

Mobile Apps und Lernspiele sind ebenfalls interessante Möglichkeiten, interaktiv Wissen zu vermitteln und dies in Geschichtenform zu packen, etwa, wie es in Form eines virtuellen Stadtrundganges zu den unterschiedlichsten Themen möglich ist (z.B. zum Thema Kolonialismus, Integration, Stadtentwicklung, etc.).

Eine solche mobile Anwendung kann gemeinsam mit den Lernenden entwickelt werden oder als Angebot zum Lernen vorgegeben werden, z.B. in Form einer virtuellen Landkarte, die zu bestimmten Lernstationen hinleitet. Viele Anregungen dazu gibt es bei der Bundeszentrale für politische Bildung (Historisch-geopolitisches Lernen, Mobile Lernspiele selbst gemacht,

Zum mobilen Lernen muss man übrigens nicht notwendigerweise nach draußen gehen, auch das bewährte Stationenlernen innerhalb des Klassen- oder Seminarraums kann mittels mobiler Geräte ergänzt werden, etwa, indem vertiefende Inhalte selbst recherchiert oder aber mittels QR-Codes oder vorhandener Links selbst entdeckt werden können.

Storyboarding: Wie erzähle ich meine Geschichte?

simple storyboard

ein einfaches Storyboard (Quelle: flickr, user npslibrarian)

Eine Methode zum Entwickeln von Geschichten, die sowohl mit Lernenden als auch in der Planung von Lerninhalten eingesetzt werden kann, ist das Storyboarding. Eine gute Anleitung dazu auf Deutsch habe ich leider noch nicht gefunden, diese englischsprachige Seite mit drei Vorlagen für Storyboards finde ich dafür sehr gut.

Beim Storyboarding, einer Technik aus der Filmproduktion, plant man die Visualisierung einer Geschichte mittels Stichworten zu Szeneninhalt und zu verwendenden Medien (Fotos, Zeichnungen, Videoclips). Auch vermerkt man, welche zusätzlichen Mittel (z.B. Ton, Voice-over, GIFs, etc.) eingesetzt werden sollen. Erst dann geht es an die konkrete Umsetzung.

Bei der Umsetzung komplexerer Projekte oder in der Arbeit mit Kleingruppen im Rahmen der Bildungsarbeit macht es Sinn, mit Storyboards zu arbeiten, weil dies hilft, Ideen zu strukturieren und geplante Projekte ganz zu durchdenken. Gerade (aber nicht nur) Kinder und Jugendliche neigen dazu, mit allerlei Ideen loszustürmen und es hilft, zunächst die Herangehensweise zu strukturieren und dann mit der eigentlichen Umsetzung loszulegen.

zombie storyboard

Vorteil der Klebezettel: man kann so lange hin und her schieben, bis die Geschichte stimmig ist. (Quelle: flickr, user Dave Hoffman)

Storyboarding kann auch als „Trockenübung“ eingesetzt werden, etwa indem man die Aufgabe stellt, zu einem bestimmten Thema ein Storyboard für einen Kurzfilm, eine Multimedia-Geschichte, etc. zu entwickeln. Mit Aussicht auf anschließende Umsetzung eines konkreten Projektes macht es aber natürlich viel mehr Spaß.

Auch als Lehrende muss man kein/e MultimediaexpertIn sein, man kann schon mit sehr einfachen Mitteln anfangen (s.o.) und die Teilnehmenden entsprechend ihrer Fähigkeiten selbst aktiv werden lassen.

Ressourcen

Das Netz ist voll von guten Ideen und Tipps zum Digital Storytelling, leider teilen bislang sehr wenige Lehrende und Lernende ihre Erfahrungen und Ideen. Im Folgenden daher nur eine kleine Auswahl an Links, die mir kürzlich weitergeholfen haben:

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