Claire Grauer

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Was bleibt von der Fassenacht? Ein rassistischer Nachgeschmack…

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… leider alle Jahre wieder.

Am heutigen Aschermittwoch lecken die Närrinen und Narren ihre Wunden, nachdem sie übers Wochenende ausgiebig Fassenacht (oder Karneval, Fasching, Fasnet, usw.) gefeiert haben. Ist auch gut so und gehört zu dieser Jahreszeit – auch wenn ich keine Fassenachterin bin und nie war, so habe ich mir, nach mehreren Jahren im norddeutschen Exil, doch tatsächlich zum ersten Mal die Mainzer Fernsehfassenacht angesehen. Und auch ein wenig Rosenmontagszug, doch dazu später mehr.

Rassissmus im HR

Denn mein Anliegen ist eigentlich Folgendes: Was dringend einmal zum Thema der Fassenacht werden sollte ist Rassismus. In der vergangenen Woche gab es mehrere Berichte zur Fernsesendung „Frankfurt Helau“ des HR, in der eine „Türkin Ayse“ auftrat, verkörpert von der Deutschen Patricia Lowin. Die „Türkin“ verbreitet ein peinliches Klischee nach dem nächsten und der Beitrag ist alles andere als lustig sondern tut einfach nur weh weh aufgrund der platten Aneinanderreihung von bösen Vorurteilen.

Noch schlimmer macht es die Ansage des Mainzer Fassenachtsurgesteins Margit Sponheimer, die den Beitrag ankündigt mit „Wir zeigen Ihnen, wie Integration wirklich funktioniert“. Klingt im Nachhinein wie ein böser Scherz.

Auf Youtube kann man sich das Video ansehen (weil es wirklich schlimm ist, hier kein Link). Der Beitrag ist in keinster Weise lustig und hat auch überhaupt nichts mit der eigentlichen Fassenacht zu tun.

Der Sinn der Fassenacht war einmal, den Oberen die Meinung zu sagen unter dem Deckmantel des Kostüms und der Satire. Beiträge und Kostüme wie der oben erwähnte sind aber verletzend und werten Minderheiten ab, daher sind sie alles andere als „lustig“ und man muss sie auch nicht tolerieren „weil sowas gehört zur Fassenacht“. Nein, absolut nicht.

Rassismus in der Straßenfassenacht in Köln – und Mainz

Ein zweiter „Klassiker“ sind leider kolonialistisch angelehnte Verkleidungen, die lustig sein sollen, dabei aber andere Menschen verletzen. H. Depe Tchatchu schreibt hier, wie verletztend Verkleidungen als „primitive“ Schwarze für Afrodeutsche sind und ruft die Kölner KarnevalistInnen auf, zukünftig darauf zu verzichten.

Nein, auch das ist keine alberne Empfindlichkeit, die halt zur Fassenacht gehört, sondern es ist Rassismus und verletzt Menschen, die einen anderen Zugang zu Ereignissen in der (kolonialen) Vergangenheit haben als wir Angehörigen der weißen Mehrheitsgesellschaft. Im Text heißt es u.a.:

„Wenn Karnevalist/innen sich schwarz bemalen, Baströckchen anziehen und Knochen ins Haar stecken beschwören sie unkritisch Bilder der Kolonialzeit herauf, mit denen Afrikaner/innen zu „anderen, primitiven, exotischen, naturverbundenen“ aber im Geiste weniger entwickelten Menschen konstruiert wurden, um Gewalt und Ausbeutung zu rechtfertigen. Diese Bilder sind nicht harmlos, auch wenn die Darsteller/innen „es nicht so meinen“.“

Als ich das gestern las fiel mir ein, wie ich am vergangenen Montag kurz in die Übertragung des Mainzer Rosenmontagszuges hineingeschaut habe. Auch da lief eine Gruppe solchermaßen verkleideter Menschen mit, Gesichter schwarz angemalt und orientalisch angelehnten“Diener“-Kostümen. Die KommentatorInnen (darunter zufällig wieder Margit Sponheimer) hoben hervor, wie lustig doch solche Verkleidungen seien und wie schön, dass die betreffende Gruppe in diesem Jahr wieder dabei sei. Auch das muss im Jahr 2012 wirklich nicht mehr sein.

Nochmal: Sich dabei auf die Tradition zu berufen, gilt nicht. Rassismus ist Rassismus und bleibt Rassismus, egal wie lange er angeblich schon überliefert wurde.

Also, liebe Närrinnen und Narhallesinnen, oder wie auch immer sich Vortragende und Verkleidete nennen mögen, die Hausaufgabe für die Kampagne 2013 sollte also sein, sich einmal mit den eigenen rassistischen Vorurteilen auseinanderszusetzen.

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