Claire Grauer

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So war meine re:campaign 2013

| 3 Kommentare

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Zum ersten Mal war ich in diesem Jahr bei der re:campaign, der Konferenz rund um „Die besten Kampagnen im Netz“. Zwar habe ich momentan selten direkt mit Kampagnen zu tun, allerdings beschäftige ich mich viel mit dem Thema NGOs/ gemeinnützige Organisationen und Internet, wofür die re:campaign ein spannender Ort des Lernens und des Austauschs ist. Besonders spannend war zudem der diesjährige Schwerpunkt der Auseinandersetzung damit, wie Online-Kampagnen zu mehr politischer Partizipation beitragen können.

In diesem Jahr fand die re:campaign zeitgleich mit der re:publica statt und ich dachte vorher, dass ich  sicher zwischendurch immer mal rüber wandern würde, doch die re:campaign bot so viel Spannendes, dass ich das während der ersten beiden Tagen kein einziges Mal tat und die re:publica lediglich am dritten Tag besuchte.

Das Format fand ich sehr gelungen: Am ersten Tag gab es zwei Keynotes und anschließende Workshops, der gesamte zweite Tag war als Barcamp organisiert und endete mit einer Auswertung und einem gemeinsamen Ausklang.

Inzwischen gibt es auch schon eine Reihe lesenswerter Rückblicke, etwa bei sozialmarketing.de, dem Enter Magazin oder – in origineller Form –  von Mario Sorgalla, (den ich auch endlich mal persönlich getroffen habe).

Keynotes

Die Keynotes von Betsy Hoover und Ben Scott stimmten ganz gut auf das Thema ein, waren mir persönlich aber ein wenig zu „zahm“. Ein Teilnehmer, der im vergangenen Jahr dabei war, meinte, die damaligen Keynotes, u.a. von Oxfams Duncan Green, seien politischer gewesen und für meinen Geschmack dürfte die re:campaign insgesamt gerne auch (wieder?) politischer sein.

Workshops

Eine Auswahl aus den vielen Workshops am ersten Nachmittag zu treffen war schwer. Zum Glück können alle nachgehört und/oder –geschaut werden, und die Präsentationen sind auch dokumentiert. Im re:campaign-Blog gibt es ebenfalls mehr dazu.

  • Felix Kolb von Campact stellte in „Mehr als Clicktivism: Mit strategischen Online-Kampagnen Politik verändern“ 8 Fragen an Online-Kampagnen vor, die sich jede/r zu Beginn und während des Planungsprozesses stellen sollte.

In der anschließenden Diskussion warf ein Teilnehmer die interessante Frage nach Koalitionen und Konkurrenz auf – Felix Kolb erwähnte zwar, dass Campact um Bündnisse bemüht ist, erkannte aber auch an, dass oft Konkurrenz im NGO-Sektor herrscht. Das ist ein wichtiges Thema, zu dem vielleicht im nächsten Jahr mal eine Session gehalten werden könne, dachte ich im Nachgang, denn für NGOs ist es ja in der Tag ein Dilemma, dass sich viele für ähnliche Themen engagieren, das Eingehen von Bündnissen und Netzwerken aber immer auch auch (vermeintliche?) Risiken birgt, etwa den leidigen Kampf um Spenden und Finanzmittel.

  • Danach sprach Katrin Voss über „E-Partizipation für NGOs – Chancen und Risiken online“. Ihr ernüchterndes Fazit: da bereits offline nur ein geringer Teil der Bevölkerung bereit ist, sich zu engagieren, können Online-Kampagnen nur einen noch geringeren Teil dieser ohnehin kleinen Gruppe erreichen. Dazu kommt, dass die „Digital Natives“ zunehmend punktuelles und flexibles Engagement bevorzugen, anstatt sich langfristig für eine Sache, etwa in Form einer festen Mitgliedschaft, einzusetzen.

Ein wichtiges Thema, und gut dargestellt, weil mit Verweis auf entsprechende Studien, allerdings vermisste ich eine Diskussion im Hinblick auf die im Titel erwähnten Chancen. Andere Zuhörende empfanden das ähnlich, entnahm ich aus anschließenden Gesprächen. Die Frage „und wie gehen wir jetzt damit um“ (also mit der geringen Bereitschaft zum Engagement) hing anschließend noch in der Luft.

  • Mein dritter Workshop war „Systemisch und souverän durch den digitalen Wandel navigieren“ von Sybille Klotz, Steffen Liebener und Michael Rouba, die vorstellten, wie man aus systemischer Perspektive an die Planung einer Online-Kampagne herangehen kann. Leider war der Inhalt etwas zu komplex für die angesetzten 45 Minuten, so dass auch hier der Abschluss offen blieb, ich persönlich konnte allerdings auch dank des ausgeteilten Handouts ein paar interessante Anregungen für meine Arbeit mitnehmen.
Systembrett

Das Systembrett als Tool, um sich ein Bild vom sozialen Kontext und den für eine Kampagne relevanten AkteurInnen zu machen (Foto: C. Grauer)

  • Das abschließende Panel über Bürgerjournalismus mit Beispielen aus Österreich, Japan und Rumänien war ebenfalls interessant, allerdings gelang es darin nicht so recht, einen Bogen zwischen den drei vorgestellten Fällen zu zeigen und das Verbindende herauszuarbeiten – allerdings war ich auch müde und die Akustik war nicht gut, sodass mir auch einiges entgangen sein mag.

Barcamp     

Der gesamte zweite Tag war für ein Barcamp reserviert, für das sehr viele spannende Sessions angeboten wurden. Besonders interessant fand ich eine von Judith Orland angeregte Session darüber, wie ältere WählerInnen (nicht nur) im Kontext der Bundestagswahl von Online-Kampagnen angesprochen werden können. Anders, als viele vermuten, sind nämlich auch immer mehr ältere Menschen (50Plus, 60Plus? – das wurde gar nicht definiert, fällt mir auf) online. Ebenfalls interessant war Timo Lüges Präsentation zum Einsatz von Social Media im Katastrophenfall.

Abschluss

Der Tag endete mit dem Abschluss in der Gruppe, die unter Anleitung eines Moderators auch noch die Auswertung der re:campaign leistete. In 5er Gruppen beschrifteten wir die Raumteiler-Pappwürfel mit Do’s und Don’ts und positivem und „was kann besser werden“-Feedback. Das fand ich einen passenden und gelungenen Abschluss mit Spaß und Bewegung, durch den wir nochmals untereinander ins Gespräch kamen.

Auswertung

Auswertung in der Gruppe, Anleitung Daniel Unsöld (Foto: C.Grauer)

Insgesamt fand ich meine erste re:campaign eine gelungene und spannende Veranstaltung, nicht nur wegen der behandelten Themen und der vielen Impulse, die ich mitgenommen habe, sondern auch, weil ich Menschen getroffen habe, die ich vorher nur virtuell kannte oder die ich unverhofft nach Jahren wiedergetroffen habe. Großes Dankeschön auf jeden Fall an das Organisationsteam, dem man Mühe und Einsatz anmerkte.

 

3 Kommentare

  1. Super! Ich habe zwar einiges zu re:publica gelesen, aber das ist der erste inhaltliche Berichte zu re:campaign. Ich denke, dass es in Zukunft wenig Sinn macht die beiden events zeit- und ortsgleich abzuhalten. Denn die NGO-/Zivilgeselschafts- und EZ-community verdient mehr Aufmerksamkeit!

  2. Du hast Recht mit dem Einwand, dass NGOs mehr Aufmerksamkeit verdienen, was aber den Zeitpunkt zeitgleich/nicht zeitgleich mit der re:publica betrifft, bin ich etwas zwiegespalten. Ich war ja, wie gesagt, zum ersten Mal bei der re:campaign und alle, die schon mehrmals dort waren und mit denen ich gesprochen habe, fanden es gut, dass die beiden Veranstaltungen zeitgleich stattfanden.
    Vielleicht könnte man es so organisieren, dass es nur einen Tag Überschneidung gibt oder aber mehr gemeinsame Panels organisieren, denn gerade im Hinblick auf Fragen der ePartizipation oder des „Wie bekomme ich es hin, dass sich Leute für mein/unser Anliegen nicht nur interessieren, sondern auch aktiv werden“ gibt es da ja eine Menge Überschneidungen.

  3. Pingback: Links zum Wochenende #37 (und #34 nachgereicht) | Claire Grauer

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