Claire Grauer

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Hilfe, mein Kind ist im Netz!

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Internet Cafe Созопол

Ob die Eltern wissen, was der Kleine sich anschaut? (Quelle: uros velickovic, flickr)

Übers Wochenende habe ich einmal eine thematisch nur lose mit dem Blog verwandte Recherche betrieben: Kinder und Internet. Immer mehr Haushalte sind online und immer mehr Kinder haben Geräte zur Verfügung, mit denen sie ins Netz kommen. Für Kinder und Jugendliche ist das Netz Alltag.

Mit dem selbstverständlichen Vorhandensein der Netzes steigt aber auch die Verunsicherung vieler Eltern, wie sie mit ihren Kindern und dem Thema Netz-Verhalten umgehen sollen. Interessanterweise sind darunter viele Eltern meiner Generation, die zu den frühen „Digital Natives“ oder der „Generation Y“ gehören sollten (ich verfehle knapp die 1980).

Ich finde die Frage, wie Eltern mit dem Thema Netz umgehen höchst spannend, da ich in meinem Umfeld beide Extreme im Umgang mit dem Internet erlebe (Daueronline vs. „alles Zeitverschwendung“) und gespannt bin, wie sich dies über die kommenden Jahre hinweg, auch mit älter werdenden Kindern, entwickeln wird.

Ich neige bezüglich der Nutzung des Web ja eher zum Optimismus und bin deswegen davon überzeugt, dass Kinder heutzutage unbedingt Medienkompetenz entwickeln müssen (was alle Kinder schon immer mussten, nur haben sich die Anforderungen im Gegensatz zu „unserer“ Jugend geändert und man sollte das zunächst einmal ganz neutral bewerten).

Kinder müssen früh Medienkompetenz erlernen

Heute gibt es nun einmal das Internet, mit Risiken wie v.a. Chancen, und daher sollten Kinder besser früh als spät den Umgang damit erlernen. Damit sie dies können, müssen sich Eltern auch damit beschäftigen, anstatt es als „Zeitverschwendung“ abzutun. Gefragt sind allerdings auch die Schulen. Bei allem, was ich so mitbekomme, ist Deutschland bis auf Einzelfälle und Modellprojekte nicht besonders weit im Hinblick auf Erziehung zur Medienkompetenz. Das ist sehr schade, denn so scheint es, als würden viele Kinder und Jugendliche doch arg alleine gelassen.

Da ich kürzlich mehrere Beiträge zu diesem Thema gelesen und geschaut habe, habe ich ein wenig weiter recherchiert und festgestellt, dass sehr oft vor allem die Gefahren des Netzes betont werden, was Eltern, die vielleicht ohnehin nicht sehr netzaffin sind, weiter abschrecken dürfte. Klar, es gibt Risiken und die sollte man nicht klein reden, es gibt aber auch eine Reihe einfacher Strategien, damit umzugehen, und dass, ohne dass man dazu Fachfrau oder –mann sein muss.

Grundsätzlich, und das ist auch eine zentrale Aussage der weiter unten verlinkten Seiten, geht nichts darüber, sich mit den Kindern hinzusetzen, über Chancen und Risiken zu sprechen und vor allem miteinander im Gespräch zu bleiben. Im Folgenden habe ich einige Beiträge zu Thema „Netzkompetenz für Kinder und Eltern“ zusammengestellt, die ich hilfreich finde, nicht nur für die interessierten (zukünftigen) Eltern unter meinen LeserInnen:

Orientierung und Tipps zur Vermittlung von Netzkompetenz

 

  • Das Internet-ABC: eine Seite für Kinder und Eltern  Diese Seite ist ganz nett gemacht, allerdings sehr textlastig, was abschreckend wirken kann und eher etwas für ältere Kinder ist, die dann wiederum vielleicht Spaß an den Animationen und den Tests haben. Warum Eltern sich aber nicht alleine auf eine solche Seite verlassen sollten, sondern es immer besser ist, sich gemeinsam mit den Kindern vor den Rechner zu setzen und über den Umgang mit dem Netz zu reden, steht auch in Thomas’ kritischem Beitrag über das Internet-ABC.
  • Medienkompetenz: Sarah Pust, Beitrag zu einem Panel zum Buch Netzgemüse auf der Social Media Week 2013, Hamburg, in dem die Autorin auf einige weiterführende Studien verweist. Ebenfalls spannend ist ihre Präsentation „Kinderkram: So nutzen Kids das Netz“, auch auf dem Blog der Autorin einsehbar.
  • Kinder. Social Media. Verantwortung: Eine weitere Nachlese zur Social Media Week Hamburg von Jane Schmidt. (Unter der Kategorie „Kinder“ finden sich übrigens weitere lesenswerte Einträge in ihrem Blog).
  • Website: Kinder und Internet des Deutschen Jugendinstituts, wo laufende und abgeschlossene Forschungsprojekte vorgestellt werden. Die Seite ist etwas unübersichtlich in der Navigation, es lohnt sich aber, ein wenig zu stöbern.

Vergangene Woche hat die Bundesregierung zusammen mit einigen Partnern übrigens den „Kinderserver“ vorgestellt, mit dem Eltern, Großeltern, etc. den Netzzugang für Kinder sicherer gestalten können, etwa, indem nur Suchergebnisse der Kindersuchmaschinen angezeigt werden. Der Test von Heise.de zeigt allerdings, dass es sich hier um eine „Baustelle“ handelt und Kinder die Sperren relativ einfach umgehen können. Um eine vertiefte Auseinandersetzung und einen andauernden Dialog kommen Erwachsene und Kinder also nicht herum!

Wie sind Eure Erfahrungen mit Kindern, Jugendlichen und dem Netz? Habt Ihr weitere Empfehlungen?

3 Kommentare

  1. Die Jugend – gleich welcher Generation – wird ihre Vorgänger überholen. Frage mich, ob man mit unseren bestehenden gesellschaftlichen Prozessen das nötige Fachwissen (noch rechtzeitig) zu den Lehrern/Eltern bringen kann.
    Vielmehr sollten wir auf Sozial-, Medien- und Methodenkompetenz setzen, die es den Menschen ermöglichen kontextabhängige Fachkompetenz selbst auszubilden. Dazu gehört Vertrauen – und eine neue Fehlerkultur. Beides sehr schwer umzusetzen und eine Gefahr für die geltende Ordnung.

    • Ja, in der Tat scheint es im schulischen Umfeld derzeit nicht so rosig auszusehen (ich lasse mich gerne korrigieren). Ich denke, Kinder und Jugendliche können sich auch vieles selbst beibringen, dazu brauchen sie aber ein Umfeld, in dem sie die notwendige Unterstützung dazu erfahren. Da sind momentan in erster Linie die Eltern und das sonstige Umfeld gefragt, und hier sehe ich auch zwei Richtungen – einmal sehr begeistert und netzaffin und einmal eher zurückschreckend und durch das mediale Facebook-Bashing verunsichert (wobei „Internet“ ja nicht gleich Facebook ist, leider ist selbst das vielen noch nicht so klar).

      Es ist einfach total wichtig, Kinder und Jugendliche ernst zu nehmen und sie dort abzuholen, wo sie sind. Hier fällt mir eine Anekdote ein, die ich einmal während einer Podiumsdiskussion u.a. mit Peter Schar erlebt habe: Nachdem Schar und mehrere Anwesende aus dem Publikum (alle ab Ende 30) sich sehr kritisch zu Facebook geäußert hatten, stellte eine vielleicht 15jährige entrüstet die Frage „Kann mir jetzt mal jemand erklären, WAS den so SCHLIMM an Facebook sein soll?“ worauf Schar nur ein onkelhaftes „ähm, naja, Datenschutz und so…“ rausbrachte. Das zeigt ganz gut den generation gap, den es hier oft gibt: Chancen vs. Risiken werden nicht zusammen, sondern getrennt betrachtet, mit Erwachsenen, die sich ganz überwiegend auf die Risiken konzentrieren.

  2. Pingback: Links zum Wochenende #27 | Claire Grauer

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